Unvergessene Heimat - die Neumark

Stationen einer Reise des Kreisverbandes Potsdam-Mittelmark

Oderbrücke in Crossen Bei herrlichem Sonnenschein fuhren wir Ende April in Richtung Polen. 43 Interessierte hatten sich zu einer Fahrt in die Heimat zusammengefunden. Die deutsch — polnische Grenze passierten wir bei Frankfurt (Oder). Durch die EU konnten wir ohne Passkontrolle in unsere Geburtsheimat fahren.
Unsere erste Station war die Stadt Crossen. Wir hatten die Möglichkeit, über die große Oderbrücke zu gehen, die uns an das „Blaue Wunder" in Dresden erinnerte. Alle genossen von der Brücke oder der Uferpromenade den Blick auf den Fluss, der majestätisch dahin fließt. Die Brücke verbindet die Alt- und die Neustadt. An der Uferpromenade konnten wir Angler beobachten. Alles machte einen gepflegten Eindruck.
Pilgerstätte und Touristenatraktion in Schwiebus: Christusstatue Die 36 Meter hohe Christusfigur steht auf einem aufgeschütteten Hügel und erreicht damit eine Höhe von 52 Meter Weiter ging es zur großen Christusstatue von Schwiebus. Alle waren begeistert vom Monument und der gesamten Anlage an der immer noch gearbeitet wird. Am Hügel wird in Bronzeplatten der Kreuzigungsweg Jesus dargestellt. Es ist schon bewundernswert, was für ein Monument die Polen hier schufen.
Die nächste Station war Meseritz, eine gepflegte Kleinstadt. In der Nähe des alten Friedhofes steht ein Gedenkstein, der an die ehemaligen deutschenBewohner und ihre Vertreibung erinnert. Wir legten hier Blumen ab.
In dem kleinen Ort Betsche nutzten einige aus der Reisegruppe die Möglichkeit, den Friedhof zu besuchen. Sie fanden noch deutsche Grabstätten — auch eine Überraschung für uns: Deutsche Grabsteine standen aufgereiht an der Friedhofsmauer. Wir konnten feststellen, dass die deutsche Vergangenheit hier nicht vergessen ist.
Bei der Weiterfahrt nach Landsberg genossen alle die schöne Landschaft der südlichen Neumark, das Sternberger Land.

Zufrieden mit den vielfältigen Erlebnissen des ersten Tages kamen wir in Landsberg an. Im Hotel ging es an die Zimmerverteilung und anschließend zum Abendessen. Alle waren mit den Zimmern zufrieden und das Essen schmeckte auch gut. Viele Mitreisende besuchten abends noch das Wahrzeichen von Landsberg, die Marienkirche und die neu gestalteten Warthebrücken. Ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen zu unseren nächsten Zielen in der nordwestlichen Neumark. Erste Station war das herrliche weiße Herrenhaus Mehrenthin bei Woldenberg. Es wird jetzt als Schloss bezeichnet. Wir genossen bei Sonnenschein den Park. Der überraschte Besucher taucht in eine verlorene geglaubte Welt und fühlt sich wie an einem magischen Ort. Dann Aufbruch zur Fahrt nach Arnswalde, einer früheren Kreisstadt. Das Zentrum wurde 1945 zerstört. Daher hat die Stadtmitte außer der alten Kirche nur Neubauten. Nahe der Kirche steht das Monument vom Papst Woytyla. Er wird noch heute in Polen sehr verehrt, denn er war ja auch Pole. Wir fuhren weiter durch die schöne Landschaft und kamen in Berlinchen (jetzt Barlinek), einst die Perle der Neumark genannt, an. Berlinchen hat wie Soldin und Neudamm einen Stadtsee. An der gepflegten Uferpromenade kann man schön spazieren gehen. Wahrzeichen von Berlinchen ist der Gänselieselbrunnen. Dieser wurde 1990 mit deutscher Hilfe rekonstruiert.
Schloss mehrenthin bei Woldenberg

Marktplatz von Berlinchen mit dem Gänselieselbrunnen
 
Die alte Hut- und Tuchmacherstadt Neudamm (jetzt Debno) war unser nächstes Ziel. Sie ist jetzt wieder eine pulsierende Kleinstadt geworden mit vielen kleinen Sehenswürdigkeiten, die an die deutsche Geschichte erinnern. Am Gedenkstein auf dem ehemaligen deutschen Friedhof, er erinnert an die ehemaligen Neudammer und die bei der Vertreibung Verstorbenen, legten wir Blumen nieder und verharrten in einer Schweigeminute. Der Gedenkstein wurde im Jahr 2000 durch polnische Einwohner und ehemalige Neudammer eingeweiht. In Neudamm konnten wir die imposante Kirche Peter und Paul besichtigen. Sie ist der Matthäuskirche in Berlin-Tiergarten nachempfunden. In der Kirche konnte jeder die Zeit zur Besinnung nutzen.
Erwähnenswert sind auch die vor denkmalgeschützten Bauten stehenden Stelen in polnischer und deutscher Sprache. Ebenso erwähnenswert sind aber auch die an der Kirchenmauer zu sehenden Bilder von der Glockenübergabe durch die Teltower an die Debnoer Gemeinde. Wir konnten in Neudamm ganz deutlich erkennen, dass die deutsche Geschichte nicht vergessen ist und aufgearbeitet wird.
Stadtansicht von Driesen nach einer alten Postkarte Nach dem zweiten Tag unserer Rundreise kamen wir voller neuer Eindrücke in unser Hotel zurück.
Am dritten Tag, dem Tag unserer Heimreise, ging es am Vormittag in die schöne Kleinstadt Driesen mit ihrer hügeligen waldreichen Umgebung. Wir besuchten die Dörfer Trebitsch, Gocim und Ljubiat — viele Mitreisende waren über die gepflegten kleinen Dörfer erfreut.
Mit dem Besuch des Küstriner Marktes ging unsere dreitägige Reise zu Ende. Sie führte uns auf Kindheitsspuren aber doch auch in ein neues Land mit vielen guten Eindrücken und der gewonnenen Bewusstheit dass die deutsche Geschichte nicht vergessen ist.


Unser Fahrer Olaf Conrad und Katja Mathes trugen dazu bei dass unsere Reise gut und angenehm verlief. Mögen wir alle gesund bleiben, so dass wir diese geschichtsträchtige und schöne Landschaft noch oft besuchen können.
Heimat ist die herrliche Natur, die Alleen und die unberührte Gegend. Behalten wir sie im Herzen. Sie vermittelt uns Kraft, unseren Weg auch in der neuen Heimat zu gehen.

Irene Schulze