Berichte aus den Mitgliedsverbänden




Wo liegt Westpreußen?

...eine Frage von Dr. Christian Tietze

Eigentlich ist diese Frage für die Leser unserer Heimatzeitung eine Zumutung. Wir alle wissen, wo Westpreußen liegt. Entweder sind wir dort aufgewachsen oder zumindest geboren (wie ich), oder wir haben es von unseren Eltern gehört. Aber wie steht es mit dem Wissen unserer Freunde, Nachbarn und vor allem unserer Kinder und Enkelkinder? Seit Jahrzehnten bin ich nebenamtlich Dozent an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Bremen. Von ca. 2.000 Bewerben pro Jahrgang werden 100 Abiturienten als Studenten aufgenommen. Es handelt sich also um eine Elite unserer Jugend. Zu Beginn eines jeden Semesters stelle ich mich vor, gezielt mit dem Hinweis „geboren in Kulm, Westpreußen”. Und dann kommt meine Frage: „Wo liegt Westpreußen?“

Manche Studenten assoziieren Kulm mit Kulmbach und tippen auf Süddeutschland, andere erkennen in Westpreußen das Wort „West” und vermuten Westpreußen im Rheinland, das immerhin einmal westlichster Bestandteil Preußens war. Nur ganz wenige erraten, dass Westpreußen westlich von Ostpreußen liegt. Wenn ich diese Antwort höre, atme ich erleichtert auf, und dann müssen sich meine Studenten – außerhalb des Vorlesungsstoffes – einige „Belehrungen” anhören.
Auch wenn wir im Fußball nicht Europameister geworden sind, hat die umfangreiche Berichterstattung in den Medien im letzten Jahr über das Quartier der deutschen Nationalmannschaft dazu geführt, dass Danzig in den Focus des Interesses geriet. Jetzt wissen wenigstens unsere Fußballfans Bescheid. Und das sind nicht wenige. Viele Anhänger sind sogar nach Danzig gepilgert. Ob sie vielleicht daran gedacht haben, dass Danzig einmal deutsch war, wenn sie auf dem Friedhof von Oliva unser Familiengrab entdeckten?

Unser Stellvertretenden Bundesvorsitzender, Hans – Jürgen Kämpfert, ist im Rahmen eines Vortrages über den Astronomen Johannes Hevelius aus Danzig auch auf das „Danziger Goldwasser” zu sprechen gekommen. Seine Anregung, dieses Getränk zu kaufen und es unseren Gästen anzubieten, um die Erinnerung an Danzig wachzuhalten, verblüffte mich zunächst. Darauf wäre ich niemals gekommen. Aber je länger ich darüber nachdachte, umso mehr hat mich diese Idee überzeugt.
Also, liebe Landsleute, laden wir doch gleich Verwandte, Freunde und Nachbarn zu uns ein und lasst uns mit „Danziger Goldwasser” anstoßen und über Danzig und Westpreußen und über Fußball, Geschichte und Reisepläne reden, damit die Erinnerung an die schöne Heimat nicht verloren geht!

Dr. Christian Tietze