Politik




Kunst, Hass, die Vergangenheit und die Wahrheit

Vergewaltigungsmahnmal in Polen sorgt für Aufregung und Protest


Keine 24 Stunden stand ein Denkmal, das an zahllose Vergewaltigungen erinnern sollte, die an den Frauen von Danzig durch Soldaten der Roten Armee begangen wurden. Russland protestierte, aber auch Bürger der Stadt kritisierten die Aktion, denn das Werk zeigt drastisch eine Missbrauchsszene.

Wie man Pressemeldungen vom 17. Oktober entnehmen kann, hatte der 26jährige polnische Kunststudent Jerzy Bohdan Szumszyk in Gdansk in einer Nacht- und Nebelaktion eine Betonskulptur „Komm, Frau“ mit Freunden aufgestellt. Positioniert neben einem sowjetischen Panzer T 34 in der Aleja Zwyciewcow (Siegesallee), der ehemaligen Halben Allee, zeigt die Skulptur einen Soldaten der Roten Armee, der versucht, eine schwangere Frau zu vergewaltigen. Mit der linken Hand reißt er ihr an den Haaren den Kopf hoch und mit der rechten Hand hält er der am Boden liegenden Frau eine Pistole in den Mund. Eine Vergewaltigung, mehr als hunderttausendfach geschehen.

Polens Polizei reagierte schnell und entfernte die Skulptur und der russische Botschafter brachte seine Empörung zum Ausdruck: Das sei keine Kunst, sondern ein Sakrileg, dass die Ehre der 600.000 sowjetischen Soldaten verletze, die für die Freiheit Polens gefallen sind. Die vulgäre Skulptur verletze nicht nur Gefühle der Russen, sondern aller vernünftigen Menschen, die sich daran erinnern, wem sie die Befreiung von der Nazi-Besatzung verdanken.

Der Kunststudent begründete nach den Pressemeldungen seine Aktion damit, sie solle „die Wahrheit zeigen“. Ihm ginge es „um die Tragödie dieser Frauen, um das ganze Leid“.
Die Akademie der schönen Künste distanzierte sich von Szumczyk. „Er hat dies auf eigenes Risiko ohne Wissen der Hochschule gemacht“. Der Staatsanwalt ermittelt.
Nach den Meldungen entbrannte eine öffentliche Debatte: Ist das nun Kunst oder der Aufruf zum Hass gegen andere Völker?

Die Meinungen in den Medien und Internetforen können unterschiedlicher nicht sein. Es ist nun einmal so, dass die geschichtlichen Tatsachen gegeben sind. Und Tatsachen bleiben Tatsachen, ob es dem russischen Staat als Nachfolger der UdSSR nun gefällt oder nicht. Es wurden Bücher geschrieben über die mit der Roten Armee verbundenen Ereignisse. Massenvergewaltigungen an über zwei Millionen deutschen Frauen aber auch an über 100.000 polnischen Frauen stehen zu Buche.

Die Skulptur stellt in einer realistischen Art und Weise dar, wie es deutschen und auch polnischen Frauen im Winter/Frühjahr 1945 erging. Es ist wohl an der Zeit aufzustehen und das „Duckmäusertum“ abzulegen und die Wahrheit auch bei diesem in der Weltgeschichte herausragenden Verbrechen aufzuzeigen.

Im März 1945 wurde die Stadt Danzig von der Roten Armee eingenommen.. Ich war damals noch ein kleines Kind, gerade 4 Jahre alt. Im Juli 1945 mussten meine Großeltern, meine Mutter und ich Danzig verlassen. Wir wurden durch den polnischen Staat vertrieben. In unserer Familie ging es in den Gesprächen und Gedanken immer um unsere „verlorene Heimat“ Danzig.

Als ich dann größer war und es in den Gesprächen um die Massenvergewaltigungen von deutschen Frauen durch die Rote Armee ging, wurde von Großmutter und meiner Mutter immer behauptet, sie seien „davongekommen“.
Ich war dann schon über 30 Jahre alt, Großmutter und Großvater waren längst gestorben, da offenbarte meine Mutter mir die Wahrheit. Ich kann mich heute noch gut daran erinnern, wie schwer es ihr gefallen ist, das zu erzählen.
Im März 1945 wurde meine Großmutter, die damals 66 Jahre alt war, meine 26jährige Mutter und ihre Schwester mit 19 Jahren täglich und nicht nur von einem Russen vergewaltigt. Die 19jährige Schwester, am Kopf durch einen Granatsplitter schwer verletzt, wurde am dritten Tage der Besatzung so oft vergewaltigt, bis sie starb.

Ich empfinde persönlich daher ein Gefühl der Genugtuung, dass es mutige Menschen gibt, die den „stummen Schrei“ der Opfer von Vergewaltigung, Misshandlung und Mord in die Öffentlichkeit bringen. Jeder Mensch und somit auch jeder Staat muss sich seinen Taten stellen. Es wäre verkehrt, die gefallenen 600.000 Soldaten der Roten Armee gegen die Vergewaltigungen aufzurechnen.
Im Osten der BRD gibt es viele sowjetische Ehrendenkmäler, die den Sieg über Nazideutschland aufzeigen und stets den Mut und die Opferbereitschaft der Roten Armee hervorheben. Es gibt aber in ganz Europa kein angemessenes Mahnmal sexueller Gewalt und anderer Opfer der Zivilbevölkerung.
Wie der deutsche Staat Verantwortung für die Vergangenheit, für die nazistischen Untaten zeigt, müssten auch die damaligen Kriegsgegner zu ihren Taten stehen. Das wäre Gerechtigkeit. Aber leider fehlt hier jegliches Bekenntnis.

Man kann nur hoffen, dass sich die Menschheit besinnt.

Jürgen Meyer
Stellv. Landesvorsitzender