Wissenswertes




Das Böhmerwaldlied

Im ersten Teil unserer Berichte über das Deutsche Liedgut haben wir die Lieder der ehemaligen deutschen Provinzen vorgestellt. Für Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Schlesien und die Mark Brandenburg konnten wir dem Leser das erklärte Heimatlied, die Hymne der Region vorstellen. In der Weiterführung dieser Artikelserie taucht jetzt ein Problem für die alten deutschen Siedlungsgebiete auf, die so wie die alten deutschen Provinzen von Flucht und Vertreibung betroffen sind. Mit über drei Millionen Menschen ist die Gruppe der Sudetendeutschen die größte, die von Flucht und Vertreibung betroffen ist. Das Wort „Sudetendeutscher“ ist dabei ein politischer Begriff, der erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts Anwendung fand und die Menschen zusammenfasste, die im Böhmisch-Mährischen Gebirgskessel wohnten und vorher als Deutschböhmen, Deutschmährer oder auch Deutschschlesier bezeichnet wurden. Auf der Suche nach dem Lied der Sudetendeutschen findet man das Lied „Sudetenland, mein Heimatland“. Es ist aber kein Lied, das die Menschen bereits in ihrer Heimat gesungen haben, an das sie sich heute erinnern und mit heimatlichen und familiären Erlebnissen verknüpfen können. „Sudetenland, mein Heimatland“ ist das Werk des aus dem Sudetenland stammenden und 1935 geborenen Musikers, Komponisten und Texters Robert Jung und stammt aus dem Jahre 1997. Es ist ein Ohrwurm, der die interessierten Menschen begeistert.
Doch wir müssen uns weiter auf die Suche begeben nach dem Lied aus der Heimat, das Erinnerungen weckt. Stellvertretend für eine Fülle heimatbezogener Lieder haben wir das Böhmerwaldlied ausgewählt. Text und Melodie in der ursprünglichen Fassung stammen von Andreas Hartauer (Bild), der am 28. November 1839 auf der Stachauer Glashütte im Bezirk Bergreichenstein im Böhmerwald geboren wurde. Er erlernte den Beruf des Glasbläsers und Glasmalers. Während seiner Wanderschaft in Deutschland dichtete und vertonte er das Lied. Wehmut, Heimweh und Sehnsucht nach den Bergen und Wäldern seiner Heimat hatten ihn dazu bewegt. Mit diesem Lied hat Andreas Hartauer wohl am Besten die Seele der Bewohner des Böhmerwaldes getroffen. Im Jahr 1937 errichtete man bei Eleonorenhain/Lenora (Bezirk Prachatitz) ihm zu Ehren ein Denkmal. Eine etwa 4 m hohen Steinsäule trug die Inschrift: „Dem Andenken des Glasmachers Andreas Hartauer, der der Welt das Lied ‘Tief drin im Böhmerwald’ geschenkt hat.”
70 Jahre nach der Ersteinweihung wurde am 28. Juli 2007 ein neuer Felsstein mit tschechischer Inschrift wieder eingeweiht. Sowohl ehemalige Bewohner von Eleonorenhain als auch heutige Einwohner von Lenora nahmen an diesem Festakt teil. Vor der Enthüllung des Steins durch die Bürgermeisterin wurde das Böhmerwaldlied nacheinander in tschechischer und deutscher Sprache von einem Chor gesungen.


Böhmerwaldlied


Tief drin im Böhmerwald, da ist mein Heimatort,
es ist schon lange her, dass ich von hier bin fort,
doch die Erinnerung, die bleibt mir stets gewiß,
daß ich den Böhmerwald gar nie vergiß.
Das war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand,
im schönen, grünen Böhmerwald.

O sel’ge Kindheitszeit, nur einmal kehr’ zurück,
wo spielend ich genoß das allerhöchste Glück,
wo ich am Vaterhaus auf grüner Wiese stand
und weithin schaute auf mein Vaterland.
Das war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand,
im schönen, grünen Böhmerwald.

Nur einmal noch, o Herr, laß mich die Heimat sehn,
den schönen Böhmerwald, die Täler und die Höh’n,
dann scheid’ ich gern von dir und rufe freudig aus:
Behüt’ Gott, Böhmerwald, ich geh’ nachhaus!
Das war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand,
im schönen, grünen Böhmerwald.