Wissenswertes




Partnerschaften aus politischer und sozialer Verantwortung

Eine Dokumentation von Werner Bader

Der Vorsitzende des Kulturfördervereins Mark Brandenburg, Werner Bader, der als Journalist und Bundessprecher der Landsmannschaft Berlin - Mark Brandenburg mit der längsten Amtszeit den aus Flucht und Vertreibung resultierenden Prozess der Hilfe, Unterstützung und Verständigung nach dem Ende des II. Weltkrieges begleitete und mit gestaltete, hat eine repräsentative Dokumentation über Partnerschaften und Patenschaften erarbeitet. Mit seinem profunden Wissen konnte er damit eine historische Lücke zu einem Thema füllen, dass in der Vergangenheit nur wenig dokumentiert wurde. Die jetzt vorliegende Dokumentation enthält eine Vielzahl der auch künstlerisch gestalteten Partnerschaftsurkunden. (Fortsetzung aus 07/2013)

In Arnswalde wurde die Bronzefigur aus dem Jahr 1912 während des II. Weltkrieges sichergestellt. Der Brunnen wurde bei Kriegshandlungen im Februar 1945 zerstört.
Das Einverständnis des polnischen Bürgermeisters zur Wiedererrichtung dieses Wahrzeichens auch in Arnswalde selbst hat der Heimatkreis nicht genutzt, obwohl die polnische Stadtverwaltung ihre Zustimmung gegeben hatte.
Es gibt ein „Arnswalder Zimmer” im Abteigebäude in Wunstorf mit Dokumenten, Büchern, Bildern, Fotos aus der Heimat. Ein weiterer Teil ist im Keller des Hölty – Gymnasiums untergebracht. Das Archiv umfasst 120 laufende Regalmeter.
1965 wurde an der Arnswalder Straße der "Arnswalder Gedenkstein" aufgestellt.
Drei Straßen wurden umbenannt in „Arnswalder Straße”, „Reetzer Straße”, und „Neuwedeller Straße.” Ein Archiv ist im Arnswalder Zimmer der Abtei der Stadt Wunstorf untergebracht. Es enthält Dokumente, Fotos, Bilder und Bücher.
1988 wurde in der Patenschaftsstadt diskutiert, ob sie auch eine Patenschaft mit der heutigen Stadt Choszczno eingehen soll. Dagegen protestierte der Ehrenvorsitzende des Heimatkreises, Joachim Sanft. Er bezeichnet diesen Plan als "wahnwitzig". Eine solche Patenschaft könne als "Aner-kennung der unter Zwang geschaffenen Grenzen" nach 1945 verstanden werden.

Königsberg/Neumark – Braunschweig

Die Patenschaft wurde am 11. Mai 1958 durch den damaligen Landkreis Braunschweig begründet. Der Kreistag hat in seiner Sitzung vom 21. Oktober 1957 einstimmig den Beschluss zur Errichtung der Patenschaft gefasst. Die Patenschaft besteht noch, aber eine finanzielle Förderung erfolgt nicht mehr. Im Zuge der Auflösung des Landkreises Braunschweig durch die Gebiets – und Verwaltungsreform 1974 trat die Stadt Braunschweig in die Patenschaft ein.
Der Patenschaftsträger hatte die Arbeit des Heimatkreises Königsberg direkt und indirekt gefördert durch Zuschüsse zur Vereinsarbeit, Übernahme von Kosten zur Ausrichtung von Heimatkreistreffen, unentgeltliche Bereitstellung von Räumlichkeiten auch für die Heimatstuben.
In der Beschlusssitzung erklärte der Verwaltungsvizepräsident Drewes: „dass wir das Recht auf die Heimat niemals aufgeben und es uns niemals nehmen lassen können, das Recht auf die Heimat, das nach dem Recht auf persönliche Freiheit kommt. Ich möchte die Hoffnung ausdrücken, daß es uns mit unserem östlichen Nachbarn einmal gelingen möge, diese sehr schwierige Frage zu lösen, die uns Deutsche, die wir uraltes tausendjähriges Kulturland im Osten verloren haben, besonders berührt.”
Oberbürgermeister Bennemann erklärte: „Ich drücke für die Stadt Braunschweig die Hoffnung aus, dass jener von uns allen gehegte Wunsch einer Wiedervereinigung mit diesem deutschen Gebieten und einer baldigen Rückkehr der Bevölkerung in ihre Heimat bald Wirklichkeit werden möge.”
Landrat Lippe weist darauf hin, das im Wappen von Neudamm in der Neumark der Braunschweiger Löwe enthalten ist.
Auf der Beschlusssitzung sprach auch Reichsminister a.D. Walter von Keudel dessen Gut im Kreis Königsberg lag.

Der Heimatkreis Königsberg hat seine Aktivitäten seit der Grenzöffnung und den freien Zugang zu der alten, nun zu Polen gehörenden Heimat an die Oder verlegt. So finden die Kreistreffen jetzt regelmäßig in Bad Freienwalde statt. Die Braunschweiger Heimatstube ist aufgelöst worden, das über Jahrzehnte zusammengetragene Archivmaterial wurde nach Freienwalde, in das Oberlandmuseum gebracht. (Mitteilung Stadt Braunschweig)

Ebenso werden die Ortstreffen der aus den Gemeinden des ehemaligen Kreises Königsberg stammenden ehemaligen Bewohner an den authentischen Orten abgehalten. Braunschweig hält den Kontakt zum Heimatkreis weiter aufrecht durch Teilnahme städtischer Vertreter an den Heimattreffen in Bad Freienwalde. Außerdem ist ein Sitz in der Stiftung „Heimatkreisarchiv Königsberg/Neumark” der Stadt Braunschweig vorbehalten. Mitglied im Stiftungsrat ist Herr Horaiske.
In Braunschweig gibt es zwei Straßen, deren Namen an Städte aus dem ehemaligen Kreis Königsberg/Neumark erinnern, die Bärwalderstraße und die Küstrinstraße. Außerdem besteht noch eine Brandenburgstraße. Die auch bestehende Königsberger Straße ist nach Königsberg in Ostpreußen, nicht nach Königsberg in der Neumark benannt.
Eine Gedenktafel zur Erinnerung an den ehemaligen Kreis Königsberg/Neumark ist am ehemaligen Landkreisgebäude, Eiermarkt, angebracht.


Landsberg – Herford

Die Patenschaft über die Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg Stadt und Land wurde durch Beschluss des Kreistages vom 5. Januar 1957 beschlossen. Sie wurde in einer Feierstunden anlässlich des Heimattreffens für die 700 Jahrfeier der Stadt Landsberg in Herford überreicht, zu dem fast 10.000 Landsberger aus der ganzen Bundesrepublik kamen. Eine geeignete Nische an der Vorderfront des Rathauses wurde nach dem Entwurf eines Landsberger Künstlers zu einer Gedenkstätte gestaltet. Der Oberbürgermeister taufte außerdem eine neue Straße auf den Namen „Landsberger Straße.” Räumlichkeiten wurden für die Heimatstube zur Verfügung gestellt, die am 15.11.1959 durch den Oberstadtdirektor den Landsbergern übergeben wurden. Daneben erfolgten Hilfen bei der Versorgung von Landsbergern mit Wohnungen in Herford und Hilfen bei der Eingliederung in den Arbeitsprozess.

Die Patenschaft besteht nicht mehr, sie ist in eine Partnerschaft übergegangen. Der sich auflösende Heimatkreis ist aber noch voll eingebunden.
Es gibt keine Partnerschaftsurkunde.
Die Partnerschaft war „aktiv freundschaftlich, lebendig.” Es fanden gegenseitige Besuche statt. Treffen von Organisationen wurden im Wechsel in Herford und in Landsberg veranstaltet. Die Arbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft wurde mit mehreren Tausend Euro gefördert.
Unterlagen und Sammlungen sind in der Volkshochschule in Herford, untergebracht. Noch ist nicht entscheiden, wohin die Sammlungen bei Auflösung der Bundesarbeitsgemeinschaft hingehen sollen, möglicherweise nach Gorzow (Landsberg).
Von Seiten Gorzows wird die Partnerschaft lebhafter gepflegt als von deutscher Seite. Gorzow bekennt sich zu seinen deutschen Wurzeln, auch das deutsche Stadtwappen mit Adler ist beibehalten worden. So die Auskünfte vom zuständigen Referenten Herfords. Der Kulturförderverein Mark Brandenburg hat einer Gorzower Schule 1.000 deutsche Bücher für den Deutschunterricht geschenkt.

Meseritz – Landkreis Paderborn

Begründet am 17.12.1984 durch den Kreistag gemeinsam mit Schwerin (Warthe). Die „Grünen” haben diese Patenschaft abgelehnt und mit Enthaltung und einer Gegenstimme abgestimmt. Sie erhoben den Vorwurf: Im Heimatbuch von Schwerin gebe es „einen Hauch von Revanchismus.”
Nach der Patenschaftsurkunde wollte der Kreis Paderborn „Begegnungsstätte für beide Heimatkreise” sein. (siehe auch Schwerin)

Alle zwei Jahren gibt es Bundestreffen im Kreis Paderborn mit finanzieller Unterstützung des Patenkreises. Die Heimatkreise Schwerin und Meseritz erhalten für die Organisation der Bundestreffen je 1.000 €. Der Bürgermeister des polnischen Miedzyrzecz wird dazu eingeladen. Die Heimatkreisvertreter werden zu den jährlichen Neujahrsempfängen eingeladen. Seit 1984 Dauerausstellung „Deutsche im östlichen Mitteleuropa – Kultur – Vertreibung – Integration im Kreismuseum Wevelsburg. Die Ausstellung wird zurzeit überarbeitet. (Stand 2007)
Vor dem Kreishausgebäude in Paderborn ist ein Gedenkstein für die Partnerschaft errichtet worden.

(wird fortgesetzt)