Leserbriefe




Lesebrief von Inge Lüer aus Neustadt zu: politische Aufarbeitung der Geschichte

Sehr geehrte Damen und Herren, vielleicht lässt sich meine immer wiederkehrende Frage beantworten, nämlich: sind wir, die Kinder oder Nachfahren unserer vertriebenen Eltern, in eine Art Sippenhaft genommen in Hinblick auf das verlorene oder enteignete Eigentum nach Flucht und Vertreibung?
Meine Eltern diskutierten noch, kurz bevor sie in der ersten Hälfte der achtziger Jahre verstarben darüber, dass doch die Westalliierten es so, wie’s dann auch kam, als richtig empfanden: Und dies, obwohl dort die Demokratie zu Hause war (und ist)!
Weshalb hat man Stalin nichts entgegengesetzt? Das Vertreiben der Deutschen war ja schon in Jalta ein Thema! Ich empfinde es als „Sippenhaft”, die von den Westmächten nicht revidiert wurde. Dafür mag es zur Zeit der militärischen Machtblöcke Ost und West keine Chancen gegeben haben. Doch die Zeit ist vorbei.

Wir Kinder gehörten damals keiner Partei an, waren unmündig, klar! Wir konnten nichts ändern!
Wieso bestraft man aber uns vertriebene Kinder? Meine Eltern haben im „Polnischen Korridor” viel versucht, gelitten und wieder diplomatisch versucht, versöhnlich zu agitieren und zu leben. Es gelang am besten im täglichen Miteinander der Menschen. Doch es wurde oft unmöglich nach Marschall J. Pilsudski’s Tod im Mai 1935. Als hätte das nicht schon alles für uns Volksdeutsche gereicht! Nein, es ging weiter, nur nicht gut!

Ihnen freundliche Grüsse von Ihrer Leserin Inge Lüer